06.02.2010, 00:39 Uhr

U 4 bis Harburg - mehr als nur eine Vision

Von Michelle Kossel

Vom U-Bahnhof Hafencity-Universität fährt die U 4 in Richtung Süden ab, passiert die Haltestellen Prager Ufer und Mannesallee, kommt dann zum Bahnhof Wilhelmsburger Krankenhaus, fährt zum Haltepunkt Wilhelmsburg, danach führen die Schienen zu den Stationen Dorfkirche, König-Georg-Deich und Blohmstraße, dann geht es zur Endstation Harburg Rathaus.

Harburg. So könnte künftig nach Überlegungen und Planspielen der Handelskammer und der Hochbahn der Sprung über die Elbe per U 4 aussehen. Könnte. Denn nach wie vor sind sich viele Vertreter von Politik, Wirtschaft und Verwaltung einig darüber, dass die U-Bahn einst bis in den Hamburger Süden durchfahren sollte, doch wann der Bagger in der Hafencity zu entsprechenden Bauarbeiten ansetzen und wie viel Geld die neue Hochbahnstrecke kosten wird, ist unsicher. "Andere Verkehrsprojekte, wie etwa eine weitere S-Bahnhaltestelle auf der S 3-Strecke bei der Veddel - die Station Zweibrückenstraße - haben da unter anderem Vorrang", so Enno Isermann, Sprecher der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt.

Doch dass die U 4 "irgendwann aus Stadtentwicklungsgesichtspunkten kommen muss, macht Sinn", ergänzt er. Denn eine Haltestelle erschließt laut Stadtplaner einen Radius von 400 bis 600 Metern. Dort siedeln sich Betriebe an, Wohnungen werden gebaut und Arbeitsplätze geschaffen. 10 000 Fahrgäste werden durchschnittlich pro Stunde von der U-Bahn befördert, den Bus nutzen dagegen nur 1300 Hamburger. "Dass die U-Bahn wesentlich zur Stadtentwicklung der einzelnen Hamburger Bezirke beigetragen hat, dafür gibt es genug Beispiele in der Geschichte der Hochbahn. Die U 4 wird sich langfristig für den Hamburger Süden auszahlen", so Kreienbaum. Allerdings muss der Bau erst einmal bezahlt werden. Und bei diesem Thema wird es schwierig vor dem Hintergrund leerer Haushaltskassen.

Vertreter der Hochbahn rechnen vorsichtig mit einigen Hundert Millionen Euro. "Wahrscheinlich wird es eine oberirdische Linie", so Hochbahnsprecher Christoph Kreienbaum im Gespräch mit der Rundschau. Denn ein Tunnelkilometer U-Bahnstreckenbau verschlingt etwa 80 bis 120 Millionen Euro. Für die Stadtbahn wird für den gleichen Abschnitt etwa 20 bis 50 Millionen Euro veranschlagt.

In Harburg hat man eigene Ideen, wenn es um die geplante U 4 geht. "Es würde Sinn machen, die Linie über die Wilstorfer Straße zu verlängern, damit möglichst viele Harburger die U-Bahn nutzen können", so Baudezernent Jörg Penner. Auch er geht davon aus, dass sich die U-Bahn eher überirdisch durch Harburg schlängeln wird. Allerdings sei das Zukunftsmusik.

Jedoch wurden in Sachen Hochbahn nach Harburg bereits vor etwa 100 Jahren die ersten Akzente gesetzt. Einst wurde eine Linie in den Freihafen geplant. Hierfür wurde beim Bau der Freihafen-Elbbrücke eine zweite Ebene eingezogen, auf der die Hochbahn fahren sollte. Vielleicht ein Ansatz für die U 4? "Leider nicht, die Brücke würde den heutige Ansprüchen für einen Zugbetrieb nicht mehr genügen", so Enno Isermann von der Stadtentwicklungsbehörde.

Quelle: Hamburger Abendblatt vom 06.02.2010

 
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